ARTE hat im Rahmen seiner diesjährigen Musikreihe Summer of the 60s letzten Mittwoch einen Blick auf die amerikanische Surfbewegung geworfen. Warum man vor einer Doku, in deren Zentrum der Surffilm Big Wednesday steht, American Graffiti zeigt, erschließt sich mir nicht unbedingt. Aber das Oberthema des Abends hieß American Dream, also gabs zum x-ten mal George Lucas Version desselben. Wenigstens einen kleinen Einblick in den Film gewähren hier der Trailer und andere Schnipsel.
Die anschließende Dokumentation Surf Now, Apocalypse Later hielt nicht ganz, was der intelligente Titel versprach. Weder gelang ein profunder Einblick in die Geschichte und Kultur der Surfbewegung, noch wurde der musikalische Impetus der Surfbewegung richtig gewürdigt, noch wurde die Entstehung und die Wirkung von Big Wednesday wirklich greifbarer und erst Recht nicht gelang die Einordnung der Surfbewegung in den umfassenden politischen und kulturellen Umbruch, der sich mit dem Ende der 6oer in den USA manifestierte.
Die Kommentare einiger an Big Wednesday beteiligten Akteure wirkten teils weniger erhellend als denn glorifizierend. Sehr lustig zum Beispiel, dass sich Regisseur John Milius mit Blick auf die damaligen Hollywood-Beachfilme Marke Gidget darüber echauffierte, dass die Surfer in diesen Filmen Dinge taten, die kein Surfer so je tun würde: Zum Beispiel gemeinsam nebeneinander ins Wasser rennen. Komisch aber, dass sein Film dann ausgrechnet dieses Bild der drei alten Surferfreunde im Gleichklang auf den Weg in die Wellen reproduziert. Wäre interessant zu wissen, ob er den Zwang empfand, die gängige Ikonographie zu bedienen, ob das ein ironischer Kommentar war oder was bitte sonst. Blieb aber ungefragt so stehen, wie Vieles andere. Überflüssig auch die durch einen Medienwissenschaftler vorgenommene Verlängerung der Surfcommunity in die Welt des Silicon Valley und zur Netzcommunity. I didn’t get it.
Aber das genutzte zeitgenössische Material lohnt es, sich die Dokumentation anzuschauen. Und natürlich die Musik! Dick Dale and The Del-Tones! The Astronauts! The Lively Ones! The Pyramids! Na, klar, die Beach Boys auch!
Eines weiß ich jedenfalls ganz sicher: Ich muss in diesem Leben noch Surfen oder Gitarrespielen lernen! Am besten Beides!
Und: In den heutigen Aufnahmen der Dokumentation sieht man Surfer vor dem Panorama von Ölbohrtürmen die Welle reiten. Das sitzt.