Von Chan zu Chanel

Die Geschichte von der Raupe und dem Schmetterling haben diverse Musikschreiberlinge die letzten Wochen erzählt. Da ist am Anfang, vor gut zehn Jahren, die leicht verhuschte, überschüchterne Chan Marshall, der die Haare immer so wirr ins Gesicht hängen, wenn sie auf der Bühne gegen den totalen Blackout ankämpft. Ach, wie zerbrechlich sie doch ist, wenn sie ihre brüchigen Kleinode über die eigene Depression vorträgt. Sie könnte eine ganz Große werden, raunt sich die Fachjournaille zu. Wenn, tja wenn sie nicht jedes zweite Konzert abbrechen würde, weniger tränke und auch mal musikalisch ein wenig eingängiger daher käme.

Letzteres tat Chan Marshall im Jahr 2006 sicher mit dem Album The Greatest, setzte sozusagen an zum großen Sprung – und ging dann erst mal in die Entzugsklinik, gerade noch bevor Hollywood dort in Scharen einfiel. Heute, sieh da, sieh da, trägt Chan die Haare adrett, hat den Nagellack entdeckt, wurde offensichtlich daraufhin von Karl Lagerfeld zu dessen Muse erkoren, ist Chanel-Model und überhaupt so was wie everybody’s Darling. Halleluja, Ende gut, Alles gut. Kann ein Mensch, der ein Album wie Moon Pix gemacht hat, sein Glück als Lagerfelds Muse und Generation-GAP-Ikone finden? Wait and see.

Mit Jukebox ist also das neue Album draußen, von Spex („konservative Popmusik“) bis Die Welt („Das vernachlässigte Kind musizierender Hippies“), um mal die beiden Pole abzustecken, wirklich ÜBERALL besprochen. Übrigens reden Männer besonders gerne über Chan Marshall und projiizieren munter vor sich hin und in Cat Power hinein.

Hiermit sei den endlosen Erklärungsmodellen und Besprechungen also noch eine weitere hinzugefügt:

Jukebox. Wieder alles Coversongs, macht sie ja gerne mal zwischendrin.

Der eine Teil von mir: „Ist doch auch ganz schön, wenn das Gleichgewicht offensichtlich stimmt, macht die Musik auch etwas eingängiger. Es muss ja auch nicht immer der ganz große Weltschmerz sein.“

Der andere Teil: „The Greatest war ja auch schon eine deutliche Abkehr vom alten, musikalisch sperrigen Konzept. Aber dennoch nicht so glatt. Jetzt ist alles sauber, der Blues wohl dosiert, damit er auch ja nicht weh tut beim Hören…schön, aber auch schade, irgendwie.“

Ich schwanke also noch, wo ich Jukebox einordne. Das kommt aufs nächste Album von Cat Power an. So oder so liegt jeder Song auf Jukebox noch immer jenseits der musikalischen Mittelklasse.

Und noch eine Coverversion: Cat Power hat 2006 einen Song zu einem Serge Gainsbourg-Tribute-Album beigesteuert. Im Duett mit Karen Elson (auch bekannt als britisches Supermodel und Frau von Jack White) interpretiert sie Je t’aime…. Ziemlich trashig und witzig, die Version. Karen Elson kann wirklich nicht singen, haucht und stöhnt sich aber ganz munter durch den Song.

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