Can I put my hands on you?

Schätzungsweise 1986, vielleicht auch 1987. In der hässlichen Schul-Kunsthalle, einst die Turnhalle unseres Gymnasiums, als diese noch Real-Gymnasium genannt wurde – fand eine Schulparty statt. Die SV hatte diese in zähem Ringen mit dem „Direx“ organisiert. Es gab damals meiner Erinnerung nach eine Regelung, die besagte, dass die jüngeren Jahrgänge bis zum frühen Abend bleiben durften. Danach gehörte die Tanzfläche den Älteren. Und Schluss war natürlich so oder so vor Mitternacht. Alkohol gab es natürlich keinen, zum Trinken und Rauchen ging man dezent um die Ecke. Die Lehrkörper trugen gelangweilt Sorge, dass die Jugend nicht zu betrunken diese Wahnsinns-Party sprengte. Ich kann maximal in der achten Klasse gewesen sein. Denn mein Hauptziel bestand dezidiert darin, möglichst lange in den Abend reintanzen zu können, ohne von den Lehrern als unterer Jahrgang aussortiert zu werden. Außerdem ging es darum, heimlich zu rauchen und zu trinken und die Jungs ab zehnter Klasse aufwärts anzuhimmeln. Wobei der Typ, den ich damals intensiv anhimmelte, ein Querflöte spielender Supermathematiker mit Pfarrersvater und vier Geschwistern war. Ein braver, aber eben recht süßer, Schulüberflieger. Der ließ sich auf dieser Schulparty gar nicht erst blicken. Und die ganz coolen Jungs waren natürlich auf einer derartigen Veranstaltung auch abwesend. Aber sei’s drum.

Ich hatte es gerade knapp in den zweiten Teil des Abends geschafft, zurückzuführen auf den Langmut einiger Lehrer. Der DJ hatte gerade gewechselt. Der neue legte mit feierlichem Gesichtsausdruck das nächste Lied auf. Eine Fanfare ertönte. Schwupp, war die Tanzfläche voll. Die einigermaßen coolen Jungs blickten sich wissend an. Ein Beat und Synthie-Sound setzte im Hintergrund der Fanfare ein. Die Jungs bildeten eine Kreis und bewegten sich langsam aufeinander zu und wieder auseinander. Hä? Kommt da noch was außer des langsamen Synthie-Teppichs? Es kam. Zuerst eine Gitarre, dann ein echtes Schlagzeug, der Rhythmus zog an. Eine Stimme, die klang wie PIL, rollte das R in „Rain“ derart übertrieben, dass es irgendwie gefährlich rüberkam. Wirkte alles leicht düster. Im Refrain sang der Typ immer Can I put my hands on you? und die Jungs natürlich alle mit. Was war denn das? Den DJ konnte ich nicht fragen. Wie uncool wäre das denn? Egal, einfach schön im Kreis mitschwoofen.

Ich hörte das Lied fortan häufiger auf Feten und in der örtlichen Disco. Es war Faith Healer von den Bollock Brothers. Das fand ich sehr bald raus. Ich habe erst Jahre später erfahren, dass es sich um eine Coverversion handelte. Wäre mir damals allerdings ziemlich schnuppe gewesen und ist es mir heute noch. Viel wichtiger ist, wann ich den Faith Healer das erste Mal gehört habe: Am Abend, als ich meine Premiere in der Neuen Welt nach Acht hatte – und dieser Song markierte den Übergang.

P.S.: Das Original von der Sensational Alex Harvey Band aus den 70ern ist extrem cool, die Bollock Brothers konnten bei der Vorlage eigentlich wenig falsch machen. Eine weitere Coverversion (Live) von The Cure.

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4 Antworten to “Can I put my hands on you?”

  1. […] Zeit über Jahre dauerverliebt in einen Querflöte spielenden Mathecrack mit wasserblauen Augen (wie an anderer Stelle in diesem Blog schon angedeutet). Und ich wurde diesen Virus leider nicht los, war aber auch viel zu schüchtern, um mal richtig in […]

  2. […] und “Christine” Neben dem hier bereits an anderer Stelle gebührend abgefeierten Faith Healer der Bollock Brothers gab es noch einen zweiten Song, bei dem es meine jungen Knochen magisch auf die Tanzfläche zog. […]

  3. Hi!

    Bin ganz zufällig hier rein getappst und beim lesen des Eintrags hängen geblieben… und erst mal eine gehörige Gänsehaut bekommen… Ja, das waren Zeiten! „All you got to do is believe…“

    Grüße,

    miret
    http://www.rock-board.com
    http://www.the-den.de

  4. genial das Stück habe gerade nach dem Band Namen gegoogelt. Es gibt aber noch eine Version die ich aus den 80igern kennen. Habe Sie aber nie wieder gefunden.
    War was für Gruftis ^^

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