Meine alten Freunde vom evangelikalen Ufer

Wir hatten es hier schon einmal ausführlicher mit meinen biographischen Untiefen, zu denen auch Jahre im Dunstkreis der Evangelischen Allianz gehören. Auch deswegen verfolge ich immer noch mit großem Interesse Themen, bei denen es um die unendliche Toleranz evangelikaler Gruppen im Umgang mit Andersdenkenden geht.

Im SchulSpiegel ist ein Beitrag über den Furor deutscher Evangelikaler gegen einen Artikel in der bpb-geförderten deutschlandweiten Schülerzeitung Q-rage zu lesen. Zwei junge Autoren hatten sich im Umfeld des diesjährigen Christivals näher mit dem Phänomen „Evangelikale“ auseinandergesetzt. Im SchulSpiegel-Beitrag auch ein Link zum PDF der betreffende Ausgabe. Wer den Artikel liest, wird zugeben, dass die beiden Autoren sich nicht unbedingt unvoreingenommen mit dem Thema auseinandersetzen und hier und da leicht selbstverliebt den einen oder anderen oberklugen und oberflächlichen Bonmont einbauen.

Nevertheless benennen sie Fakten, die so stimmen und eigentlich für sich sprechen. Wie zum Beispiel die ja bereits bekannte Tatsache, dass auf dem Christival erst kurzfristig ein Workshop aus dem Programm genommen wurde, in dem unter dem Titel „Homosexualität verstehen – Chance zur Veränderung“ Wege aus dem vermeintlichen Irrweg Homosexualität aufgezeigt werden sollten. Wer sich ein wenig auf der Internetseite der Evangelischen Allianz umschaut, wird zu bestimmten Themen glasklare Positionen (Missionierung von Juden, Homosexualität, Abtreibungspraxis) finden, die man nicht unbedingt teilen muss. Aber gut, solange das Grundgesetz nicht tangiert wird (und darüber könnte man ganz schnell anfangen zu diskutieren, wenn es zum Beispiel um die unantatsbare Würde des Menschen geht), bitte.

Fakt ist auch, dass die Evangelische Allianz stellvertretend für viele Evangelikale und mit ihrem Leitmedium idea spektrum an der Seite äußerst erbost ist über den Artikel und vor allem einen Begleitbrief zur Ausgabe, in der bpb-Chef Krüger für das Heft mit dem Schwerpunktthema „Islam“ mit den Worten wirbt: „In der Zeitung finden sich interessante Informationen, wie islamistische und evangelikale Gruppen, die wichtige Freiheitsrechte in Frage stellen, Jugendliche umwerben“ (zitiert nach SpiegelOnline).

Es darf ja viel passieren für einen Evangelikalen, aber sicher nicht, mit Islamisten in einen Topf geschmissen zu werden. Ihr Zorn gilt vordergründig vor allem dem Anschreiben von Krüger, der auch prompt den Kotau vor jenen machte, die man unter keinen Umständen öffentlich als „christliche Fundamentalisten“ bezeichnen darf. Hartmut Steeb, Vorstand der Evangelischen Allianz, spricht von Rufschädigung.

Hartmut Steeb hat klare Positionen. Wer will, kann im Webauftritt von Junge Freiheit ein Interview nachlesen (dahin verlinke ich nicht, geht mal schön via Suchmaschine), in dem Steeb unter anderem vor der „schleichenden Islamisierung“ unserer Gesellschaft warnt und festhält, dass die „stehende Herausforderung des Gender Mainstreaming, das unter dem Deckmantel anscheinender Gleichstellung die schöpfungsgemäße Polarität der Geschlechter negieren will“, einen kirchlichen Weckruf anmahnt.

Meines Erachtens lässt allein die Wahl des Mediums tief blicken, von den Inhalten will ich hier erst gar nicht anfangen. An jenem Rand, der mitunter gerne noch beschwichtigend als „rechtskonservativ“ bezeichnet wird, rottet es sich mit Berufung auf Jesus Christus doch gleich noch viel besser zusammen.

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