Lektionen fürs Leben: Auswärts

Ein kurzer Seitensprung zu meiner zweiten ersten großen Liebe neben der Musik. Ab und an fragen mich Menschen:  „Sag mal, warum tust Du Dir das an, Samstags zehn Stunden im  Zug durch die Republik zu gondeln, um 90 Minuten Fußball im Gästeblock zu verbringen?“ Abgesehen von der schieren Tatsache, dass ich aus mir unerfindlichen Gründen dieses Spiel nun mal liebe und es einen himmelweiten Unterschied zwischen 90 Minuten Fußball auf  Premiere und 90 Minuten Fußball in den Blöcken E, G oder F dieser Republik gibt, hier noch eine weitere Antwort: Auswärtsfahren bildet und erweitert den Horizont. Man lernt immer wieder Neues kennen, Lektionen fürs Leben, gestern zum Beispiel…

Die Tram in in Karlsruhe hat kleine Tischchen für die Fahrgäste. Vermutlich sind die Karlsruher extrem bibliophil, möchten ihre dicken Wälzer nirgends missen und im Nahverkehr („Tarifwabe 300“, oder so) dann gemütlich platzieren können. Die Fahrten dauern hier von Tarifwabe zu Tarifwabe sicher lang.

die Tram in Karlsruhe

Leserfreundlich: die Tram in Karlsruhe

Im Schloss zu Karlsruhe läuft derzeit die Ausstellung „Zeit der Helden – die dunklen Jahrhunderte Griechenlands 1200 bis 700 v. Chr.“. Hätte ich die lieber zwischen 15:30 und 17:15 Uhr besuchen sollen?

In Karlsruhe scheint man davon auszugehen, dass Frauen Samstags sonstwo aber nicht im Wildparkstadion sind. Zumindest im Gästebereich kommt auf zehn moderne Herrentoiletten eine Damentoilette dieser Art:

Moderner und vor allem sauberer als im Wildparkstadion sieht man WCs selten...

Moderner und vor allem sauberer als im Wildparkstadion sieht man WCs selten...

Ich vermute, die Damentoiletten im KSC-Bereich sehen besser aus. Die Badener sind Füchse und schrecken den Gegner ab, wo es nur eben geht…

... weitere liebevolle Details der Kabinengestaltung habe ich lieber nicht im Bild festgehalten

... weitere liebevolle Details der Kabinengestaltung habe ich lieber nicht im Bild festgehalten

Weitere Lektion des Lebens im Karlsruher Wildparkstadion: Kein Ausschank von Alkohol im Gästebereich, also auch kein Rothaus Tannenzäpfle für mich. Witzig allerdings:  Rothaus Tannenzäpfle gibt’s in den anderen Blöcken käuflich zu erwerben, der KSC-Fan darf trinken, so viel er mag. Da hat eine Region schon mal ein vernünftiges Bier im Stadion zu bieten und dann das;  eine Thekenkraft aus Stuttgart (!) schenkt Clausthaler aus. Mir egal, Zäpfle kann man ja auch in Berlin trinken, mache ich jetzt aber NIEEEEEE wieder, ätsch.

Weitere Lektionen des Tages rund um die 90 Minuten in Kürze:

Der HSV spart, wo er kann: Manch Vorstandsmitglied mit Supportersnähe fährt gemütlich mit dem Zug und nutzt die Stunden für den Plausch mit der Basis. Kleiner Tip: Bernd H., Katja K. oder Didi B. waren es nicht.

Die Bereitschaftspolizei gönnt sich im Bistrowagen auch gerne mal ein Bier, erklärt dabei bereitwillig Details der eigenen Ausrüstung vom Schienenbeinschoner bis zum Schlagstock, philosophiert über Einsätze beim Fußball und die Sinnhaftigkeit der internen Einsatzpläne.

Wenn man drei Stunden lang im Regen steht, wird man ziemlich nass. Dann sieht man danach aus wie ein begossener Pudel. Und fühlt sich auch so.

Einer von rund 4.500 Hamburger Pudeln, verloren und verzweifelt im Karlsruher Regen stehen gelassen

Zwei von rund 4.500 Hamburger Pudeln, verloren und verzweifelt im Karlsruher Regen stehen gelassen

Und die tollste Lektion: Fußball sucks. Aber ehrlich, das wusste ich schon. Ich vergesse es nur immer wieder, dass ich es schon weiß. Und dann fahre ich eben wieder auswärts mit dem HSV und schon erinnere ich mich: Mensch, da war doch was… genau, Fußball sucks.

Und zum Abschluss noch mal die Frage: „Warum tust Du Dir das eigentlich an?“  Weil ich so schnell vergesse und verzeihe. Anders kann ich mir das nicht erklären.

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Eine Antwort to “Lektionen fürs Leben: Auswärts”

  1. Seufz.

    Die Damentoiletten im Gästebereich des Carl-Benz-Stadions in Mannheim sahen beim Auswärtsspiel gegen Hoppenheim ähnlich aus.

    Mich hat überrascht, daß beim KSC immer noch die guten, alten Papierkarten ohne Strichcode zum Einsatz kommen, die es da schon gab, als ich in meiner Jugend öfter im Wildpark zu Gast war.

    Ich schreib mir meinen Frust heut auch noch von der Seele, stay tuned!

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