Sounds of the Universe and I

Nein, ich habe früher nicht zu jenen „Depechies“ gezählt, die zum Beispiel anlässlich der Veröffentlichung von Violator schon Stunden vor Ladenöffnung vor der Tür warteten, das übernahmen die Jungs aus meiner Klasse. So oder so gab es die nächsten Tage wilde Diskussionen um den Wert des Werks innerhalb des DM-Kosmos. Zur Erinnerung: Bei Violator gab es damals viele Stimmen, die den Einsatz von Gitarren als Affront empfanden und Personal Jesus als „zu rockig“. Heute gilt Violator vielen Fans (und Nichtfans) als DAS Album von Depeche Mode.

Nachdem ich mir anfang dieser Woche dann endlich auch mal Sounds of the Universe gekauft hatte, startete ich meine ganz persönliche High Rotation. Im großen und Ganzen bin ich recht unbelastet von der gängigen Rezensionsmaschinerie an Sounds of the Universe rangegangen. Bis auf die wenigen ersten persönlichen Eindrücke vom weltgrößten Depechie Mr. Schnakenbein, die er mir am Telefon nicht verschweigen wollte.

Jetzt habe ich das Album (und sonst mal keine andere Musik) etlichste Male in Gänze durchgehört. Zeit, den Sounds of the Universe (m)einen Platz im DM-Kosmos zuzuweisen.

Zunächst einmal gefallen mir insgesamt die liebevoll übereinandergeschichteten, Tiefe entwickelnden Sounds und Geräuschteppiche. Aber häufig sind diese schönen Teppiche dann eben doch leider nur Füllmaterial in durchschnittlichen und beliebigen Titeln (Little Soul, Come Back, Spacwalker, Jezebel, Peace) und in „ganz nah dran, aber es fehlt der letzte Tick für Klasse“-Titeln (Perfect, Hole to Feed, Fragile Tension). Wie gehabt sperren die Songs hier und da, anstatt sofort ins Ohr zu gehen, aber plötzlich hängt die Melodie dann doch vertraut im Ohr (In Chains, miles away/the truth is).

Es ist das gute Recht von Depeche Mode, kein Album voller neuer Mitklatschstadionwummen zu produzieren. Wenn ihnen nicht der Sinn danach steht, eine x-te Version von Personal Jesus oder Never let me down again rauszuhauen, fair enough. Kein Album von Depeche Mode war je derart einseitig ausgelegt. Ich persönlich hätte mir hier und da aber dennoch mal wieder mehr Lust am Tempo, mehr Biss, mehr Krachen lassen gewünscht, wie es die Single Wrong ja durchaus andeutete. Und: Tausend mal lieber höre ich mir von alten Alben noch mal Martin-Perlen wie It doesn’t matter, Little 15 oder Sometimes an als diese prätentiösen Plätscherdinger wie Little Soul oder Jezebel. Sorry, Martin, aber da ist spätestens seit Ultra eine ganz seltsame Tendenz vorhanden.

Fazit: Nicht der neue Meilenstein, den manche so erhofften und ersehnten. Aber auch keine totale Enttäuschung wie Ultra und für mich damals wie heute überwiegend Songs of Faith and Devotion. Sounds of the Universe reiht sich ganz unspektakulär neben Playing the Angel ein. Mir fehlt es an Bauch, Arsch und Herz. Es bleibt ein doch überschaubarer, sehr beliebiger und teilweise langweiliger Mikrokosmos.  Ich glaube kaum, dass einer der Songs je in der Rubrik „Soundtrack of my Life“ Erwähnung finden wird.

Meine Favoriten: In Sympathy, Wrong, Corrupt, In Chains

Liebster Liedtext: Wrong

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Eine Antwort to “Sounds of the Universe and I”

  1. Super Review, danke. Mir persönlich gefällt SOTU nen ticken besser als dir, aber die Songs entwickelten sich erst nach vielen anläufen .Gruß Spank

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