„Also, Schlagzeuger, das sind Chaoten.“

Gut, über diesen Satz aus dem Mund des 11jährigen Yobran (sein Instrument die Trompete) kann man diskutieren. Aber das, was die vielen jungen Musiker und ihre Lehrer in der filmischen Dokumentation El Sistema erzählen, hat mich sehr beeindruckt. El Sistema stellt das gleichnamige venezolanische Musikschul- und Jugendorchesterprojekt vor, das 1975  mit der Gründung eines Kinder- und Jugendorchesters in Caracas startete. Das Ziel damals wie heute: Integration durch Musik.

Inzwischen vereint das Projekt El Sistema rund 300.000 Mitglieder und stößt sogar bis an die Grenzen der Müllhalden vor, um auch den Kindern dort über die Musik neue Perspektiven zu ermöglichen. Es geht nicht darum, dass jedes Kind später Berufsmusiker wird. Aber die Musik eröffnet ihnen neue Eindrücke und Erlebnisse, sie schafft Selbstbewusstsein, sie lehrt Teamgeist und Achtung vor dem Anderen, sie vermittelt Disziplin und macht vor allem eine Menge Spaß. Wer sechs Tage die Woche mit Freude in die Musikschule geht, hängt nicht nur nicht auf der Straße rum, er verändert sich und mit sich sein Umfeld. Daraus entstehen auch Chancen, den Teufelskreis der Armut aktiv zu durchbrechen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht unbedingt als realitätsferne Sozialromantikerin durchgehe. Jedes System, so auch dieses, wird seine Grenzen haben. Aber die Freude und Energie, mit der Gründer José Antonio Abreu und seine Mitstreiter diese Grenzen einfach beharrlich Schritt für Schritt weiter verschieben (Musikprojekte für geistig Behinderte, das Orchester der weißen Handschuhe für Gehörlose, der Schritt zu den Kindern auf den Müllhalden), das ließ mich nicht kalt. Und ich bekam zudem noch Lust, endlich mal wieder in ein klassisches Konzert zu gehen.

Unbedingt sehenswert, diese Dokumentation; wer es so gar nicht mehr in eine Kinovorstellung schafft, kann sich anhand der Zeit-Rezension immerhin noch einen rudimentären Eindruck von El Sistema machen. Oder demnächst in der Videothek ausleihen!

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