Archiv für November, 2009

Let 3 ziehen blank, Thomas Mars lehrt Klatschen, Greg beweist Stimme

Posted in On Stage with tags , , on November 29, 2009 by moz

Es geht doch nichts über Livemusike und gerne ist weniger dann auch mal mehr. Ich hatte in den letzten 10 Tagen drei recht unterschiedliche Konzerte, die auf ihre Art alle drei Spaß gemacht haben.

Den Auftakt bildete die kroatische Combo Let 3 im Festsaal Kreuzberg. Der englische Wikipediaeintrag urteilt:

Sometimes provocative and vulgar lyrics and always shocking live performance with lots of nudity often polarise Croatian public.

Mein kroatischer Wortschatz ist recht begrenzt, genauer gesagt habe ich außer einem herzlichen „Dobro Jutro!“ gelernt vom Küchenbrettl meines Großpapas gar nix drauf. Zu den Lyrics kann ich also wenig sagen, zudem meine kroatische Begleitung mitunter die Übersetzung der Texte freundlich ausbremste. Bestätigen kann ich aber den Hang zur Nacktheit auf der Bühne. Leider machten sich ausgrechnet die älteren beiden wohl noch Gründungsmitglieder (1987) nackig und nicht der etwas knackigere Nachwuchs an den Gitarren. Musikalisch war es ein völlig wilder Ritt durch alles, was insbesondere die 70iger so rocktechnisch hergeben, munter geplündert, krass verhackstückt. Der Leadsänger hat seine Stimme entweder irgendwo auf dem Weg nach Deutschland verloren oder schon vor langer langer Zeit in Rijeka. Lustig war es allemal.

Drei Tage später spielte Phoenix im Huxley’s auf. Ein Fest. Der Schlagzeuger im Livelineup ist wirklich ein bewundernswertes Tier, alleine er wäre jeden Penny wert gewesen. Thomas Mars brachte den notorischen deutschen „1,2,3,4“-Klatschern sogar zeitweilig andere Rhythmen nahe, muss man auch erst mal schaffen. Und sehr nett war, wie Phoenix am Schluss ganz basisdemokratisch die Bühne zum Dancefloor machten für alle, die irgendwie draupassten. Danke noch mal an die Hartz-IV-Runde für dieses schöne Geburtstagsgeschenk!

Last but not least schaute ich Freitag Abend meinen Englischlehrern der letzten Wochen beim munteren Livejamming zu. Von diesem epochalen Ereignis habe ich bisher keine Tonbilddokumente im Netz gefunden. Besonderen Spaß hatte ich an ihrer Interpretation von INXS‘ Never Tear Us Apart. Da hätte ol Mick Hutchence aber alt gegen ausgesehen.

Hier noch mal als kleine Anregung für die zukünftige Setlist Mystify.

Advertisements

Me and my cousins, you and your cousins und Vampire Weekend

Posted in High Rotation with tags on November 21, 2009 by moz

Der Song ist so neu nicht mehr, macht aber auch nichts. Cousins ist die erste Single aus dem kommenden Album (Horchata) von Vampire Weekend. Nichts spektakulär Neues unter der Sonne.

The Raincoats: Reissue des Debutalbums

Posted in Backlist, Soundtrack of my life with tags , on November 16, 2009 by moz

Here we go mit einem weiteren Meilenstein der Postpunk-Ära: The Raincoats waren eine der Bands des Postpunk, die sich mit den Rollen-Stereotypen des gängigen Rockzirkus munter auseinandergesetzt haben, ähnlich wie The Slits, musikalisch nach meinem persönlichen Geschmack allerdings etwas runder. Jetzt ist das Debutalbum aus dem Jahr 1979 nochmals erschienen. Die Chance also, die eigene Albumsammlung noch einmal um einen wichtigen Baustein zu ergänzen.

Ich mag das Lola-Cover sehr, The Void ist auch legendär.

P.S.: Wer im Slits-Video zu Instant Hit Neneh Cherry zweifelsfrei identifiziert und mir die Timerzeit nennt, hat eine Lobeshymne auf einen Interpreten ihrer/seiner Wahl frei… .

Mut zur Lücke bei Music Mystery

Posted in Backlist, Soundtrack of my life with tags , , , , , on November 16, 2009 by moz

Es geht nichts über einen Music Mystery-Battle  im Kreise ebenso liebenswerter wie musikschrulliger Freunde. Auch diesmal bescherten wir uns freiwillig unfreiwilig gegenseitig ein Füllhorn voller großer Momente: Orthodoxobilly Wife gestand, eigentlich keinen Titel der Smiths so richtig beim Namen nennen zu können, nachdem moi MOZ – sich der Punkte schon sowas von damn sure – völlig aussichtslos an Bigmouth Strikes Again abgearbeitet hatte.  Vergebliche Liebesmüh, dem. Die gastgebende Ava Gardner aka Betty B. (aka Davids biggest Fan), petzte wiederum, sich mit hier nicht näher benannten Mitgliedern von DAF mal den selben Dealer geteilt zu haben. Psychobilly scheiterte kläglich daran, ausgrechnet dem größten noch lebenden Bowie-Fan Let’s Dance ordnungsgemäß vorzuträllern, gab dafür aber eine lupenreine Pantomime von Frankies Rage Hard zum Besten. Moi MOZ schließlich hatte etliche Aussetzer im Bereich Disco der 70iger – Stayin‘ Alive und nicht Night Fever ist bei mir gerne mal der TITELsong von Saturday Night Fever. Klar doch, gemäß meines Alter Ego kenne ich mich auch eher bei Sandie Shaw und Co. aus … ähm.

Das Sahnehäubchen auf einen unbedingt wiederholenswerten Abend bescherte uns der akustische Abstecher in Avas schrill-profunde Musiksammlung nebst ihrer ganz eigenen Interpretation des Begriffs „Wave“: Diese ermöglicht es ihr nämlich, auch popmusikalische Italotrash-Größen wie Dalbello unter Wave zu subsumieren (Italopostretrowave, wa!!!). Hut ab, Ava!!! Demnächst hoffentlich mehr aus diesem Kabinett der Frau Dr. Gardner.

Kurzum: Wer U-Musik ebenso mag wie ab und an Gesellschaftsspiele im Kreise schrullig-liebenswerter Freunde, der sollte sich Music Mystery noch mal via eBay oder so ziehen. Und mit ganz viel Glück basteln Euch eben jene schrullig-liebenswerten Mitmenschen auch noch customized Erweiterungskarten, die Death Cab For Cutie, Die Sterne oder EMF enthalten.

Whatever Happened to the Gender Benders?

Posted in Backlist, Backstage, Soundtrack of my life with tags , , , , , , on November 2, 2009 by moz

Seitdem mich der beste Ex-Flatmate of the World vor rund einem Jahr mit dem exzellenten Büchlein Rip It Up And Start Again beglückt hat, bin ich ja musikalisch mehr zurück in den späten 70igern und frühen 80igern als in der Jetztzeit.

Let’s face it: Es ist auch ein wenig meine Kinder- und Teenagerzeit, in die ich popmusikalisch teils hocherfreut, teils mit Grausen wieder eintauche. Das macht sicherlich einen Teil des Reizes für mich aus. Darüber hinaus fasziniert mich aber, wie in jenen Jahren – gespeist aus den vielfältigsten musikalischen und künstlerischen Quellen – vielschichtige neue Strömungen in der populären (Musik)Kultur entstanden. Vielen dieser Strömungen hat Arte ja jüngst seinen überwiegend sehenswerten Summer Of The Eighties gewidmet.

Das Kapitel New Romantics/New Pop durfte in einer solchen Rückschau natürlich nicht fehlen. Channel 4 hat bereits vor einiger Zeit eine sehr sehenswerte Doku über die Blitz-Kids und ihre bekanntesten Protagonisten gebracht, Whatever Happened to the Gender Benders betitelt. Im Fokus stehen Steve Strange, Marilyn (nicht Manson!) und der unvermeidbare Boy George. Vieles und Viele der Blitz-Ära mögen durch diese Zuspitzung etwas aus dem Blickfeld geraten. Aber dafür wird umso klarer, wie sehr die Blitz-Kids das bewusste Verwischen von und Spielen mit Gender- und Rollenbildern popularisiert haben. Ganz im Geiste von cute, cuter, the cutest David Bowie, versteht sich. Wie sagt es doch einer der Zeitzeugen so treffend über Boy George: George was a Gender Bender for Grannies. Darüber hinaus sind die Stories über Steve Strange als Gott an der Tür, der sogar Mick Jagger nicht reinlässt (well done!), Marilyn, der/die David Bowie abblitzen lässt und Boy George, der als Garderobiere die Gäste bestiehlt, einfach göttlich!

Amy und Pete, zwei der jüngsten Opfer der britischen Yellow Press, wenn es um Drogen geht, können sich angesichts der Geschichte von Boy George und Marilyn überdies eventuell etwas getröstet fühlen, dass sie nicht die ersten und letzten sind, die derart gehetzt und gejagt werden. Was der dauerhafte Konsum von Heroin und Co. außerdem langfristig so alles versauen kann, lässt sich gut an Steve Strange, Boy George und vor allem Marilyn ablesen. Poor old lads, that!

%d Bloggern gefällt das: