We Survive On Funk: Janelle, The Wondaland Arts Society&The Thrivals

Janelle Monáes Tightrope war sicher einer der Songs, dem man in 2010 nicht entkommen konnte. Und ihr Album ArchAndroid ist so oft gelobt worden, dass ich es  kaum noch lesen möchte. Spätestens seit Many Moons war klar, dass da was Interessantes kommen könnte. Kam dann auch.

So wie einst Outkast spielerisch mit den gängigen Klischees des Hip-Hop umsprangen und elegant gängige Muster hinter sich ließen, hat Janelle Monáe mal eben Abschied genommen von den gegebenen Frauenrollen im R&B und dem Genre auch musikalisch wieder neues Leben eingehaucht. Endlich mal was, das nicht mehr nach den elend gleichen Brei der Produzentenbutzen rund um Timbaland und Pharell Williams klingt, witzigerweise aber ausgerechnet unter anderem von P. Diddy produziert wurde. Ein Näschen hat er ja. Big Boi war auch mit dabei, daher ist der Vergleich mit Outkast mehr als berechtigt.

Ein interessanter Aspekt ist, dass sich Janelle als Teil der Wondland Arts Society gerne selbst mit dem Terminus Thrival beschreibt. Nat Irvin II hat den Begriff geprägt, um „a new breed of forward-thinking, globally tuned African Americans who bring a “no-limits” approach to doing business“ zu beschreiben. Statt sich gebunden an die eigenen Geschichte nur über den Opferaspekt zu definieren, geht es darum, selbst und selbstbewusst Zukunft zu gestalten. I bet, dass sich Sean Combs in dieser Definition gut aufgehoben findet. Aber soweit ich die Entwicklung verstanden habe, sehen sich Nat Irvin II und Co. eher als eine zukunftsbegeisterte, offene, intellektuelle Wissenschafts- und Kulturbewegung, die Grenzen im Denken überschreiten will – auch die von Rassen- und Genderdiskursen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit der Futurebewegung, wie sie mir zum Beispiel in Videos zum International Idea Festival 2010 begegnet, sonderlich warm werde. Zumindest die Vermittlung erinnert mich doch an predigerhafte Erweckungsbewegungen gekreuzt mit Motivationsseminaren und wirkt auf mein (europäisches?) Hirn ein wenig gruselig.

Aber um es dann auch noch mal gesagt zu haben: Ja, ArchAndroid ist schon eines der andersartigsten, grenzüberschreitendsten Alben des Jahres. Außerdem mag ich Tuxedos. Punkt.

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