Tatort Hausgreul

Moi moz hatte eine horrible Nacht.

Hässliche Fratzen,

Da packt so mancher Gargoyle verschämt ein ...

kalte Augen,

Ich habe sonst nichts gegen blaue Augen, ehrlich. Aber hier ...

böse Blicke,

Schnell mano in fica!

verfolgten mich bis in meinen Schlaf und füllten meine luziden Träume auf verstörende Art.

Diesen Umstand verdanke ich einzig der Tatsache, mit einer wahren Monströsität aus Gips allein in der Nacht zurückgelassen worden zu sein. Man könnte auch sagen, das Böse hat in Gips gegossen seinen Weg in meine vier Wände gefunden. Seht selbst, werte Leser, aber seid gewarnt – denn  jener Anblick bringt selbst die abgebrühtesten, abgeklärtesten und abgefeimtesten Menschen aus dem psychischen und physischen Gleichgewicht und kann spontane und äußerst heftige Abwehrreaktionen auslösen.

Noch Fragen? Das ist nicht kitschig, das ist evil

Sicher kein Zufal, dass ich angesichts der bösen Monströsität sofort den Soundtrack zu Rosemaries Baby im Ohr habe. Ich verdanke es einem herzlosen und brutalen Akt ohnegleichen, mit diesem Objekt der geballten Abscheu dieser Welt nur durch eine Wand getrennt die Nacht verbracht zu haben:

Doorie & Ms. Hyde vom P’Berg weilten wie der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz in meiner gestrigen Hausgreulrunde. Einen ersten Blick auf ihr wahres Ich hinter der Fassade aus Wolle und Tarte gewährten sie, als sie am Ende des diesjährigen Hausgreulwürfelspiels auf eben jenem Monster aus Gips als „Gewinn“ sitzen blieben. Finstere Blicke schossen durch den Raum, Zähne knirschten hörbar. In der Folge jedoch machten Doorie & Ms. Hyde gute Miene zum bösen Spiel, scherzten scheinbar gelöst und heiter mit moi moz und den weiteren Gästen über ihr „Würfelglück“, boten das Rezept ihrer Tarte feil, führten uns mit zerstreuender Konversationen über nahende Volksentscheide, den Wintererdienst in Berlin, sämtliche Landtagswahlen in 2011, das Personal der Grünen, die Gummiente der SPD, Kinderwünsche hier und da und so weiter und so fort gedanklich immer weiter weg vom Objekt der geballten Abscheu mitten unter uns auf dem Tisch. Ja, sie breiteten sogar freundlich lächelnd eine Serviette über dem Gipsartefakt aus, um sich und uns selbst den Anblick im Verlaufe des weiteren Abends zu ersparen. Wie aufmerksam und herzlich moi moz diese Geste in jenem Moment doch empfand und welch eisiger Schauer mich retrospektiv durchfährt, wenn ich mir jene Szene noch einmal vergegenwärtige und der wahren Absicht sozusagen hinter jener Verschleierung gewahr werde.

Nachgestellt: Die Monströsität aus Gips verhüllt

Gewitzte Leser können sich sicher bereits denken, was im folgenden geschah. Einige Weine und Ankedoten später löste sich die Hausgreulrunde auf. Moi moz fragte mehrmals laut nach, ob jedes Hausgreul bei seinem neuen, sicher überglücklichen Besitzer sei? Dass mir Doorie & Ms. Hyde auf diese Frage nicht antworteten, sondern statdessen scheinbar selbstlos ein Stück ihrer restlichen Tarte zueigneten, hätte mich stutzig machen sollen. Doch moi moz war ohne Argwohn im Herzen, tipsy vom Alkohol, verstrickt in etliche herzliche Abschiede an der Tür. Ich hegte keinerlei Verdacht.

Als ich einige Minuten später eine heitere Weise auf den Lippen leere und halbvolle Gläser von der einst so festlichen Tafel klaubte, fiel mein Blick auf eine seltsam aufrecht stehende Serviette.

„Die werden doch nicht … Oh, f*k you *schlags!!“

So, und jetzt lasse ich mir das letzte Stück der Tarte munden – mit dem stahlblauen bösen Blick im Rücken, wie er selbst durch die Serviette  dringt. Und wenn mir in diese Jahr ein Unglück zustößt, weiß ich, bei wem es sich zu beschweren gilt: Doorie & Ms Hyde.

 

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2 Antworten to “Tatort Hausgreul”

  1. Liebe toi moz,

    so sehr ich das Entsetzen teilen kann, so muss ich doch um Verständnis bitten. Wir haben ein Schizophrenes Stofftier mit dem vollen Namen Dolly-Dieter Jakyll-Hyde in unseren Haushalt zu integrieren, in dem auch sonst genügend Irrsinn unterwegs ist – keine kleine Aufgabe!
    Dolly-Dieter ist, wie in seiner / ihrer Anamnese leider nicht erkannt worden ist, noch nicht einmal hinsichtlich seines Geschlechts eindeutig. Diese nicht einzuordnende Stofftierambivalenz führt zu Unruhe im Team des Haushalts, die Verunsicherung der anderen Stofftiere droht in Ablehnung umzuschlagen, wir moderieren was das Zeug hält.
    Da können wir nicht auch noch ein Über-Mega-Greuel gebrauchen, das offenbar auch noch die Saat des reinen Bösen enthält.
    Besser ist es, das Greuel bleibt bei Dir.

    • Werte Doorie,

      ich habe gestern schon das dumpfe Gefühl gehabt, dass Euch mit Dolly-Dieter noch ein großer Berg an therapeutischer arbeit bevorstehen könnte. Vielleicht nutzt Ihr die Gelegenheit und bringt den anderen Stofftieren Eurfes Haushalts gleich mal schonend bei, das Geschlechtergrenzen erlogen und erstunken und zudem repressiv sind? Ambivalenz ist sexy und ich bin mir sehr sicher, dass Dolly-Dieter bald mit größter Freude sozusagen in den Schoß der Stofftierrunde aufgenommen wird.
      Mein Angebot: Bis zum nächsten Hartz IV möget Ihr die Wogen in Eurem Haushalt glätten und erst mal schauen, wie Ihr das gender bender Mitglied integriert bekommt.
      Aber dann bringe ich Euch das Böse vorbei. Plus Hammer.

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