Me, Myself Moz And Eretz Israel I

Sommerzeit, Urlaubszeit. Moi Moz hatte es für einige, zu wenige Tage nach Israel gezogen. Es liegt mir fern, potentielle Leserinnen und Leser hier mit epischen Nacherzählungen in Grundschulmanier (und dann und dann und dann) in den Tod aus schierer Langeweile zu treiben. Ich belasse es bei wohl dosierten Schlaglichtern. Für jeden Reisetag eines. Here we go mit Tag 1:

„Kommen Sie bitte mit.“ Man würde schon gerne wissen, was den Ausschlag gibt, um bei der freundlichen individuellen Befragung, die jedem Fluggast noch vor dem Check-In zuteil wird, in die Kategorie „Risiko“ eingeordnet zu werden. Der jungfräuliche Reisepass? „Freelancer“ als Beruf? Sie reisen allein? Zum ersten mal? Aber schon den Eggedbusplan ausgedruckt? Was macht mich im Profiling so suspekt? Ich werde es wohl nie erfahren. Faktisch wird aus einem ellenlangen Interview eine elaborierte Sicherheitsprocedur, die damit endet, dass ich wie drei weitere glückliche Gewinner bis zum Boarding nicht aus den Augen gelassen werde. Doch bis dahin erst mal kommen. Zunächst heißt es Hosen runter, Koffer leer, alle Elektrogeräte auseinandergebaut, Bücher kritisch beäugt (Terry Pratchetts MORT wird gleich erst mal rausgefischt und gesondert gegooglet oder so), die Kulturtasche komplett geleert und immer wieder gefragt und gefragt. Warum nur ein Kopfhörer, aber zwei iPods? Warum zwei Mobiltelefone? Woher kenne ich noch mal die Dame, die mir empfohlen hat, doch mal nach Israel zu reisen? Wo war ich letzte Woche? Schalten Sie bitte mal selbst das Handy an. Wie funktioniert Ihre Kamera? Wieso haben Sie auf Ihrer Visitenkarte eine URL, aber dort keine Website? Warum überhaupt zwei iPods? Woher komme ich noch mal?

Dazwischen sitze ich rum und warte. Aufs Klo gehen? Bis zur Kabine mit Begleitung. Jeder Weg bis zum Boarding nur noch mit Begleitung. Ihre elektrische Zahnbürste muss leider in Schönefeld bleiben. Ist mir inzwischen auch schon wurst. Hauptsache, ich komme noch nach Israel. Das Komische: Ich werde nervös, obwohl es nichts gibt, ob dessen ich nervös werden müsste. Der glatzköpfige Chef der Securitycrew füttert mich fürsorglich mit israelischen Kit-Kats. Alle sind furchtbar nett, während sie so durch die Gegend wuseln und alles, aber auch wirklich alles an mir und meinem Gepäck mit jenem Zauberstab abgewedeln, der entfernt an eine Küchenbürste mit Taschentuch oben drauf erinnert. Ich versuche, die Fragesituation umzudrehen: Die jungen Mädels von der Security berichten ein wenig von ihrem Job. Wie viel Taschen sie derart täglich kontrollieren? Too many, you know. Sieht man doch sicher absurde Dinge? Verlegenes Lachen. Warum dieser Job. Well, it’s abroad. It’s in Berlin. Ob sie die Gelegenheit nutzen und viel in Deutschland rumreisen? Augenbraue hoch. Leider nein, die meiste Zeit sei man ja am Dienst im Flughafen. Sad but true: Das Profiling ist aus ihrer Sicht der beste Schutz für Land und Leute. „Someone has to do it, you know.“

Wenn mir vorher nicht bewusst war, was es heißt, nach Israel zu reisen: Jetzt habe ich es am eigenen Leib erfahren.

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