Me, Myself Moz And Eretz Israel II

Moi Moz cruising Eretz Israel, Tag 2:

Durch die Altstadtgassen von Jerusalem rollt spätestens ab 9:00 Uhr der Wahnsinn in Form von Reisgruppen jeglicher Couleur, flankiert von jungen und alten Shopkeepern, die ihnen lautstark jedweden Nippes andrehen wollen. Dienstag scheint Russentag.

Im christlichen Viertel erreicht der Reisegruppenwahn seinen Höhepunkt an und in der Grabeskirche. Durch meine Zeit in Italien und jahrelanges freiwilliges Begehen der Kirchenschiffe dieser Welt glaube ich mich abgehärtet gegenüber jedweder noch so absurden Mischung aus Kunst, Kameragewitter, Kirchengeschichte und Kommerz. Aber die Grabeskirche ist ein anderes Kaliber. Auf meiner Liste der faszinierend-abstoßendesten Orte der Welt reiht sich dieses hässliche Disneyland des Christentums gleich ganz oben ein.

Überall küssen und rubbeln Menschen Steine. Sie klettern auf Säulen, um sich dort fotografieren zu lassen. Sie stolpern in Truppenstärke die letzten Stationen der Via Dolorosa ab: Hier wurde Jesus gekreuzigt. Dort wurde er abgelegt, nachdem vom Kreuz genommen. Etwas weiter wurde sein toter Körper gereinigt. Und dann natürlich ganz oben in der christlichen Hitparade: „Hereinspaziert, meine Damen und Herren! Hier lag Jesus im Grab, naja, zumindest drei Tage. Kommse rein, könnse rausschauen.“ Ein Pope – ich kann griechisch-orthodox beim besten Willen nicht von russisch-orthodox unterscheiden – gibt den Türsteher zum Allerheiligsten des Christentums. Es staut sich vor der kleinen, hüttenartigen Kapelle. Man drängelt, gierig, die Pole Position am Eingang zu erwischen. Eine junge Amerikanerin hat sich einfach mal mit angestellt, ohne zu wissen, wofür. Man will ja nichts verpassen, nicht wahr? Aber zur Sicherheit fragt sie mal die züchtig gekleidete Dame neben sich, was denn in dem Hüttchen so abgeht? Die Gefragte reisst entsetzt die Augen auf. Es hat ihr die Sprache verschlagen. Für sie ist der Gang in das leere Grab wahrscheinlich der Höhepunkt ihrer Pilgerfahrt. Ich springe ein und kläre auf. „Wow. Really?“ Die Amerikanerin ruft ihre Freundin lautstark hinzu. „Jesus is inside of this tomb!“ Die züchtige Dame auf Pilgerfahrt wird noch ein wenig blasser um die Nase. Welcome to the house of fun.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: