Pan Am Und Der Girdle

Herbstzeit, Zeit der Piloten und Serienstarts in den USA. Ich habe eigentlich  nicht ernsthaft vor, mir auf meinen kleinen Schedule aus Good Wife und Glee (der Rest ist meinerseits cancelled) noch was draufzupacken – außer vielleicht endlich Parks And Recreation. Aber schon aus schierer popkultureller Neugier schaue ich zum Auftakt mal in zwei Serien rein, die man marketingtechnisch wohl zu Recht als im Fahrwasser von Mad Men schwimmend bezeichnen kann.

Den Auftakt machten heute Abend die beiden ersten Episoden von Pan Am, jener ABC-Produktion, die in den USA am 25. September startete. Mit an Bord ist Christina Ricci. Und die ersten 20 Minuten war das auch so ziemlich alles, was mich an Bord des Piloten hielt. Denn was im Grunde ja zu befürchten war, tritt ein:

Mad Men bietet Raum zur oberflächlichen Idolisierung einer Zeit – man kann sich ewig an den tollen Kleidern samt tollen Frauen drin, an den Whiskeys und Zigaretten in Büros etc. aufhängen. Man kann sich auf der zweiten Ebene dann über die Rollenbilder echauffieren, den Peggys, Joans und Bettys, den Dons und Petes dabei zuschauen, wie sie sich an ihrer Zeit, an ihren eigenen Erwartungen und sich selbst abarbeiten. Und man kann sich dann drittens dabei ertappen, wie man den Spiegel vorgehalten bekommt – wenn man nicht auf Ebene 1 verharrt, was der Serie ja oft genug zum Vorwurf gemacht wird, dass sie alte Klischees in heutige Köpfe pflanzte, was Nonsens ist. Sie trifft, auf das, was im Kopf ist.

Pan Am macht nach zwei Episoden den Eindruck, gar nicht auf den Kopf treffen zu wollen, Sentiment und Nostalgie, das Schwelgen in Zeit ist Programm: Man würde eigentlich ganz gerne auf Ebene 1 des „ach, schau, die Uniformen“ und so weiter und so fort verharren. Aber zur Befriedung der Kritiker gönnt man sich noch ein wenig wurmfortsatzartige Ebene 2. Keine Ahnung, aber ich denke, eine Doku über Frauen, die in den 60igern bei Pan Am und Co. Stewardess wurden, wird mir wahrscheinlich mehr über ihre Motive verraten, als das, was die Drehbücher dieser Serie daraus machen. Pan Am zeigt gänzlich ohne twinkle in the eye Frauen, die aus den Rollen ihrer Zeit eine kleine Luke in die Freiheit suchen (temporär, den früher oder später heiratet man ja den Piloten), um dann am Bord des Flugzeugs und in den Hotelzimmern der Welt wieder mit eben jener Rolle konfrontiert zu werden. Allerdings verbunden mit dem cosy Gefühl für Frau Zuschauerin und Herr Zuschauer am Bildschirm, dass sie gerade Zeuge einer tollen Entwicklung in der Geschichte der sich emanzipierenden Frau werden. Clap your hands and say yeahh. Damit die rebellischen Geister Ruh geben, hat es Christina Ricci, deren Charakter Maggie Ryan sich handfest gegen übergriffige Passagiere zu wehren weiß und die Personaler-Domina an der Pan Am-Gewichtskontrolle wortwitzig zum Duell fordert. Dass sie mit einem Beatnik-Schluffi Bett und Wohnung teilt und vor eben ihm in die Welt entflieht, ist ein absolut ins Bild passendes Ornament.

BTW Ornament: Die Charaktere. Mit der Schablone wurden die fliegenden Damen ebenso zu Papier gebracht wie die männlichen Counterparts im Cockpit. Yawn. Bin gespannt, wie man selbige noch entfalten will, so klar, wie sie jetzt schon angelegt sind in den Entwicklungs- und Verwicklungspfaden.

Nun gut. Ich habe gelernt. Nämlich Vokabeln. Ich weiß jetzt, was ein „girdle“ ist und was ein „purser“ macht. Zumindest ersters werde ich in diesem Jahrhundert wohl nicht mehr in meinem aktiven Wortschatz benötigen.

Pan Am: 6 von 10 für die Ausstattung, für Christina Ricci und ein splishysplashy Bad in Swing und Co. der 60ies.

Nächste Woche dann zum zweiten Mad Men-Serien-Geschwür 2011: Playboy Club. Mit Amber Heard. Auch eine Uniform, aber ohne girdle vermute ich.

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