Prove You’re Alive. If You Don’t Claim Your Humanity You Will Become A Statistic

Jüngst in einer Diskussion zu Occupy und Co. sprach eine zynische Stimme: Schon mal versucht, ohne Girokonto zu leben? Wie gegen etwas protestieren, dessen Teil man doch ist? Haha, das sollen die mir mal erklären.

Kannst machen nix, Du kleines Rädchen? So be it, und damit hat sichs?

Wie wäre es denn zum Beispiel, wenn eine kritische Masse derer, die ihr Girokonto bei der Deutschen Bank haben, bei deren Tochter Postbank, bei der Commerzbank, der Hypo und so weiter und sofort, dort kündigen und zu einer Volks- und Raffeisenbank gehen oder zur GLS BANK? Die Abertausende Girokonten brauchen die Banken ja angeblich gar nicht, weil sie ihr Geschäft ja längst mit anderen Dingen machen. Das würde man dann ja mal sehen, wenn die Bilanzen ohne die Sicherheiten aus den ganzen Girokonten und Kleinanlegerkonten auskommen müssten.

Ach ja, ja klar, das ändert ja nichts, es ist ja das „große Geld“, das Schuld ist, nicht wahr? Was ändert da schon das eigene kleine Etwas. Und dann die Komplexität der Finanzmärkte, so einfach ist das ja alles nicht mit Freund und Feind. Und überhaupt: Banken, die ethisch einwandfrei sind, gibt es nicht. Jaja.

Wenn ich ehrlich bin, dann verstecke ich mich gerne hinter genau diesen Argumenten. Im Fall des Girokontos grübel ich schon seit Tagen und dann ertappe ich mich schnell bei Überlegungen wie „Ohh, dann muss ich die Daueraufträge umstellen“ oder „Ob das bei der GLS auch gebührenfrei ist, das Girokonto?“. Ich bin Jacks Schere im Kopf.

Es gibt für ALLES eine kritische Masse. Wir testen sie nur zu selten an.

Auch gerne gehört in den letzten Tagen: You can’t beat them, sie haben Dich schön eingewickelt und ans System angeschlossen. Besser noch: Du versorgst es mit Energie. You are the living battery, you feed the machinery. Aber Jeder kriegt dafür ja auch eine ganz gute Portion an Soma in jedweder erwünschter Verabreichungsform, at least hier in Deutschland.

Und ja, es stimmt: Du kommst hier nicht raus, wenn Du nicht eine ganze Menge hinter Dir lassen willst an Komfortzone und Sicherheit. Ich sehe mich auch nicht im alten VW-Bus von Tauschgeschäften lebend durch Europa fahren. I confess: Ich weiß nicht, ob ich zum Totalausstieg tauge.

Nur: Muss ich das?

Was, wenn einfach eine kritische Masse derer erreicht wird, die sich selbst und andere mehr hinterfragen. Die sich informieren. Die sich selbst als Medium begreifen, anstatt sich zum Objekt selbiger degradieren zu lassen. Die selbst Nachrichten schreiben als sie  nur zu konsumieren. Die aufmerksam sind. Die unbequem bleiben – am meisten sich selbst gegenüber. Menschen, die nicht um jeden Preis wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, nur weil es ihnen gerade in den Kram passt und es bequemer ist. Menschen, die einander mit Achtung begegnen im Alltag – auch und gerade jenen Menschen die anders sind und anders denken. Menschen, die einander ausreden lassen. Menschen, die sich von der Vorstellung lösen, dass es auf Alles eine einfache Antwort, und zwar jetzt und sofort, geben muss. Menschen, die sich von Rückschlägen und Irrtümern nicht entmutigen lassen. Menschen, die neugierig bleiben für das Fremde, Neue, Andersartige, Menschen, die bereit sind zu sagen ‚Tja, da habe ich mich wohl geirrt‘. Menschen, die für einen kleinen Teil der Welt um sie herum aktiv Verantwortung übernehmen – auf ihre Art, mit dem was sie können. Menschen, die mehr über Mikrogeschäftsmodelle handeln als nur über das Makro zu verzweifeln.

Gott, wie kitschig, wie naiv? Wohl eher anstrengend und eine Menge Holz. Weswegen ich dankbar für bin für jene Menschen der vergangenen Tage, die mich daran erinnert haben, dass es aber genau darum geht.

Und wenn das alles nichts bringt, dann bleibt uns immer noch die Tyler Durden-Variante: As for the cream of mushroom soup. Well, you get the idea …

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Eine Antwort to “Prove You’re Alive. If You Don’t Claim Your Humanity You Will Become A Statistic”

  1. Ich glaub es ist die „Alles oder nix“-Frage, die wie so oft den ersten Schritt hemmt…. Bin ich zu Allem bereit?

    Die beste Idee ist: einfach mal anfangen….. was du ja mit diesem Blogbeitrag schon getan hast…. 😉

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