Archiv für Juni, 2012

Today We’re Younger Than We Ever Gonna Be

Posted in High Rotation, Soundtrack of my life with tags , on Juni 27, 2012 by moz

Was Regina Spektor (ähnlich wie Amanda Palmer) auszeichnet ist, dass sie ihre Musik nie so rund und fein durchstylt, dass den Drops jeder lutscht. Es bremst und reibt und stört hier und da immer mal wieder, thank god. Generell hat Regina Spektor aber die seltene Gabe, unvergessliche Sachen zu komponieren. 2006 bin ich zum Beispiel dauerhaft auf Samson hängen geblieben und ein Teil von mir hat sich davon immer noch nicht ganz erholt, fürchte ich. Wenn mich mal ein Song im falschen Moment hinterrücks kalt erwischt und tötet, dann der. Oder aber Summer In The City.

Seit Ende Mai ist nun also mit What We Saw From The Cheap Seats Nachschub für mich Pianojunkie draußen. Es bleibt quirky bei Frau Spektor (Oh Marcello). Es bleibt unendlich groß bis in einzelne Zeilen („Jessica, wake up, it’s February again, we must get older“). Es bleibt lebensgefährlich für mich (Small Town Moon).

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Cat Power: Cherokee

Posted in High Rotation with tags on Juni 26, 2012 by moz

Vor wenigen Tagen erst habe ich hier zu Ruin verlinkt als erstem Song aus dem Album SUN, mit dem sich Chan Marshall nach einigen Jahren wieder mit eigenen Stücken zurück meldet. In der Radioshow All Songs Considered (npr) wurde nun mit Cherokee ein weiterer Song aus SUN vorgestellt, so ab Minute 17 im Gesamtmitschnitt zu finden. Was sich bestätigt ist wie schon bei Ruin der Hang zu mehr Tempo. Ebenfalls setzt sich die Tendenz zu einem weniger warmen, Ebenen über Ebenen stapelnden Sound fort, in dem sich viel Artifizielles tummelt und reibt. Ich weiß noch nicht endgültig, wie ich das finde, muss aber zugeben, dass auch Cherokee extrem kleben bleibt im Gehörgang. Anfang September kommt das ganze Album.

David Bowie Bei Dinah! (1976): The One Thing I Didn’t Like About Me Was Being Terribly Shy

Posted in Soundtrack of my life with tags on Juni 24, 2012 by moz

Cute, cuter, the cutest David Bowie ist eine Art Honeytrap für mich. Bleibe ich immer dran hängen. So auch dieser Tage, als ich eigentlich nur fix auf die aktuelle BBC4-Produktion „David Bowie And The Story Of Ziggy Stardust“ hingewiesen haben wollte, die eine gute Einordnung des Ziggy-Jahres gibt. Irgendwie bin ich von da aus dann wieder weiter durch die Jahre gestromert, magisch angezogen von der Thin White Duke-Phase landete ich ganz automatisch bei den Songs von Station To Station (1976).

Beim Auftritt in der US-Sendung Soul Train Anno 1975 anlässlich der Präsentation von Golden Years war David Bowie pretty drunk, man kann auch sagen shitfaced. Entsprechend hilarious performt er sich durchs Interview mit Don Cornelius und dem Publikum, um dann Golden Years und Fame herrlichst lippenunsynchron mit dem Playback darzubieten. In jenen Tagen rund um The Man Who Fell To Earth und der Aufnahmen zu Station To Station war der Thin White Duke immer auf mindestens einwas drauf.

1976 bei Dinah! wirkt er weniger betrunken, hat dafür fantastische Beinschlenker im Gepäck, die ich auch gerne drauf hätte, während er Stayebenfalls eine Single aus dem Album Station To Staion, zum Besten gibt. Das Interview mit Dinah Shore ist extrem interessant, bekennt sich Bowie doch dazu, gerne und bewusst, hier und da in der Rockgeschichte Cherry Picking zu betreiben und lobt ausdrücklich Roxy Music als aktuelle Inspiration. Dass Bowie ihnen extrem aufschlussreiche Dinge über sein permanentes Selbsneuerfindungslebensmodell erzählt und gesteht, seine übergroße Schüchternheit geschickt überzukompensieren, schneiden Dinah und der anwesende zweite Stargast Fonzie (really, Fonzie und David auf einem Sofa!) intellektuell irgendwie nicht recht mit. Richtig puzzled sind sie dann aber, als er den Unterschied zwischen „to bei in love“ und „to love“ zu erklären versucht . Der Ausgangspunkt ist eine ältere Aussage von David Bowie in Bezug auf seine damalige Frau („I don’t think we fell in love. I’ve never been in love, thank god.“):

„I have a vast capacity to love. But the one time I found that I was falling in love it became obsessive to a point where the object to that affection was becoming overblown, it was no longer a real thing, it was becoming my search for some kind of mythological feeling that man is supposed having and probably the feeling that man eventually develops for an awareness of god. It’s the old thing about a person goes up on the pedestal. (…) I don’t think being in love has anyhting to do with loving somebody (…) one feels the passions of loving somebody, the way you want to care for them and have them share their life and help them achieve what they want (…).“

Fonzies philosophische Replik darauf ist leider rausgeschnitten, schade. Eine Fonzieweisheit aus Happy Days vielleicht?

David Bowie And The Story Of Ziggy Stardust

Posted in Soundtrack of my life with tags on Juni 23, 2012 by moz

Kurz zwar nicht from outerspace, sondern nur vom sonnigen Balkon:

„40 years ago in millions of living rooms across the British isles a strange alien creature was dumped by television screens.“ Mit diesen Worten beginnt die BBC4-Doku David Bowie and the Story of Ziggy Stardust, die anlässlich des denkwürdigen Jubiläums eines der denkwürdigsten Alben und alter Egos der Popgeschichte dessen Entstehung und Faszination nachgeht und Ziggy Stardust (oder David Bowie?) laut Guardian zu „the biggest – and most important thing – since the Beatles“ werden ließ. Cute, cuter, the cutest David Bowie spricht nicht selbst retrospektiv über Ziggy, das wäre ja auch unter seiner Würde. Das übernehmen Legionen von Weggefährten für ihn. Und wer sich einen Funken für David Bowie, Poptheorie, legendäre Popmusik oder alles drei interessiert, wird beim Sehen sicher nicht dümmer. Gott, diese schiefen Zähne.

Ode an die Smiths – Part 13 (Ask Me, Ask Me, Ask Me)

Posted in High Rotation, Soundtrack of my life with tags , on Juni 21, 2012 by moz

Das Thema Schüchternheit und ihre Folgen (siehe dazu auch Ode an die Smiths 12) ist fester Topos Morrisseys zu Zeiten der Smiths. Seit dem Erscheinen von Ask im Jahr 1986 fleht er „ask me, I won’t say no, how could I?“ stellvertretend für Legionen von Menschen, die mit jenem physischem wie psychischem Phänomen in all ihre Facetten und Abstufungen aus eigener Erfahrung vertraut sind.

Morrissey spielt bei der Beschreibung des Schüchternheitsdilemmas geschickt mit den Zuweisungsebenen:

Shyness is nice, and
Shyness can stop you
From doing all the things in life
You’d like to

Das kann man durchaus noch als allgemeine Aussage im Sinne einer Diagnose wie „Schnupfen kann eine laufende Nase bescheren“ verstehen. Doch diese Perspektive kippt innerhalb der folgenden wenigen Zeilen gleich in mehrfacher Hinsicht:

So, if there’s something you’d like to try
If there’s something you’d like to try
ASK ME – I WON’T SAY „NO“ – HOW COULD I?

Deutlich wird zum einen, dass Morrissey ein spezifisches (fiktives oder reales) Du adressiert, nicht unpersönlich spricht. Das Problem wird zugewiesen – und zwar dem Gegenüber, jenem Du, dem ein scheinbar problematischer Grad an Schüchternheit attestiert wird. Gleichzeitig aber entlarven eben jene Worte, die endgültig eine persönliche Ansprache signalisieren, Morrissey als denjenigen welchen, der seinerseits offensichtlich noch viel weniger in der Lage ist, die Initiative zu ergreifen und seine passive, wartende Haltung zu überwinden. Das kulminiert dann später noch in dem deutlicheren ask me, ask me, ask me – das singende Ich kann deutlicher fordern und sprechen als es das Ich dahinter offensichtlich in realiter vermag.

Trefflich sinnieren kann man über den Sinn der späteren Rausschmeißerzeilen:

If it’s not love, then it’s the bomb that will bring us together

die sich geschickt mit dem ask me, ask me, ask me vermengen. Meine persönliche Lesart bzw. Übersetzung ist: Wenn sowas wie Liebe nicht reicht, dass wir unseren Arsch hochkriegen, schafft das vielleicht nur ein noch größerer, noch disruptiverer und gewaltsamerer Eingriff in unserer Leben als es jener grob mit „love“ umrissener Gefühlszustand ohnehin ja schon ist, wenn man es recht besieht.

Und weil Morrissey gerne noch einen Gedanken reinpacken will in den aufgemachten Komplex, konfrontiert er uns mit einer interessanten Differenzierung

Nature is a language, can’t you read?

Wohl gemerkt: Nicht die Sprache der Natur, sondern Natur, Wesen, Art IST Sprache. Die Liveversion vom Album Rank variiert

Nature is a language, can’t you read it?
Nature is a language, can anybody read it?

Clever indeed, der Steven Patrick Morrissey. Und kein Wunder, dass Ask (1986) von den Smiths im Soundtrack meines Lebens ganz weit oben rangiert.

Cat Power: Ruin

Posted in High Rotation, Soundtrack of my life with tags on Juni 18, 2012 by moz

Boy, die Stimme. Chan is back und plötzlich extrem uptempo und Dur auf und in Ruinen unterwegs. Das Album Sun kommt am 4. September. Wait and see, ob Ruin nur der massenfischende Ausreisser ist oder den Ton vorgibt für den Rest. Made my day.

Let Your Body Learn

Posted in Soundtrack of my life, Viva Hate with tags on Juni 18, 2012 by moz

Vor kurzem habe ich einen guten alten Freund getroffen, mit dem mich neben hunderten gemeinsamen Schulstunden auch die eine oder andere Stunde auf der Tanzfläche bei EBM-Mucke verbindet. Im Gespräch erwähnte er nebenbei, dass er bei sich in der Nachbarschaft einen Club hat, der ab und an noch mal gerne tief in die Kiste Electronic, EBM, Industrial und Co. KG greift. Dort und dabei fallen dann die letzten 20 Jahre zeitweilig mal unter den Tisch, er baut Druck ab. Ich wusste sofort, was er meinte. Einer der Songs, die bei mir tanzenderweise sicher funktionierten, war Isn’t It Funny How Your Body Works. Hätte ich auch problemlos drei mal hinereinander oder in Dauerschleife haben können. Noch besser aber wirkte Let Your Body Learn. Teeanage Angst verwandelte sich in einen Srom wilder Bewegungen – und danach war moi moz wieder mit sich und der Welt wieder im Reinen. Haha, just kidding.

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