Oh Man Do you Like Rock And Roll Music? ‘Cause I Don’t Know If I Do

Alte Weisheit, neu entdeckt: Musik ist wie Wein. Man kann nicht ernsthaft glauben, eine Millisekunde nach dem Öffnen zu riechen und schmecken, was alles drin steckt. Zudem schmeckt das, was der Nase im ersten Moment super gefällt, nicht immer dem Gaumen. Hinzu kommt: Wenn ich gerade Bock auf ein Bier habe, dann hat der Wein ohnehin keine Chance.

Moi Moz hätte es demnach neulich schon beim ersten Reinhören in Reflektor, dem neuen Album von Arcade Fire, wissen sollen, dass das anfängliche teilnahmslose Achselzucken noch nicht das Ende der Fahnenstange war. Durch verschiedene, hier zu weit führende Umstände, ist Reflektor in den letzten Tagen zu meinem treuen Begleiter geworden, über gute Kopfhörer in Dauerschleife konsumiert.

Ein wenig Achselzucken bleibt, wenn auch nicht teilnahmsloses. Es ist nicht verwerflich, dass Arcade Fire darauf verzichteten The Suburbs 2.0 oder Neon Bible again produzieren zu lassen, sondern gezielt mit neuen Sounds spielen. Am alten Backrezept ändert das letztlich wenig. Das ewig Hymnische kommt auf Reflektor sicher nicht zu kurz, es trägt das Gewand nur anders. Synthetischer, blubbernder, poppiger eben. Arcade Fire leben spätestens seit Neon Bible davon, sowas wie Choräle des Pop zu schreiben. Welcome to The Church Of Arcade Fire. Da ist es fast ein bisserl schnurz, was die Stimmen da Schmettern und ob die Orgel dröhnt oder der Synthie wummert, es erhebt und erfüllt einen jeden in der Kirchenbank – oder eben auch nicht. Es gibt sehr gute Titel auf Reflektor (It’s Never Over), es gibt solche, bei denen ich die ganze Zeit denke „alter Schwede, woher kenne ich Dich nur“, ohne wirklich böse zu sein (Porno ist so ein Fall, ich komme aber nicht drauf, wo gestohlen wurde). Und es gibt Nummern, die ihren Charme daraus ziehen, eben nicht isoliert gehört zu werden, sondern im Verbund mit dem Material davor oder danach. Es mag Momente geben, die noch dazu taugen, einen aus der Kirchenbank der Church Of Arcade Fire runter auf die Knie zu befördern. Die Frage ist nur, ob man das gerade will oder nicht. Dann bleibt immer noch Bier und der Griff zu den Moldy Peaches.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: