But Not Like Tonight

Auf ich weiß jetzt nicht mehr genau wie vielen Konzerten an unterschiedlichsten Orten passiert es immer wieder: Ein Mann betritt die Bühne. Und schon sein Drehen um die eigene Achse macht Menschen glücklich. Ganz zu schweigen davon, was passiert, wenn er dazu ansetzt, obenrum  blank zu ziehen. Wenn man derartige Szenen sieht, wundert es weniger, dass Dave Gahan zeitweilig einen Jesus-Komplex hatte. Und es ist gut, dass Depeche Mode zum Kosmos Dave den Kosmos Martin haben. Beide Kosmen machen in gute wie in schlechten Momenten eben eine Depeche Mode Konzert aus.

So auch beim zweiten Abend in Berlin. Dave Gahan wird es immer mehr obliegen, für den Drive und den Mitmacheffekt zu sorgen. Martin L. Gore haut dann gerne mal den „WOWWHATTHEFUCKMOMENT“ der anderen Art raus. Dabei hat das Publikum, das bei DM-Konzerten den Part von Mitsängern bekommt, ein gutes Sensorium, und macht mitnichten blind alles mit, was Martin und Dave anbieten. Egal wie lange Depeche Mode zum Beispiel noch I Feel You auf Konzerten ins Programm nehmen – der Song wird dadurch nicht besser und die Begeisterung dafür nicht größer. Leave it be. Und das Rausschmeißer Goodbye vom letzten Album Delta Machine ist extrem verzichtbar.

Natürlich nehmen DM neues Material ins Programm, das live hier und da erstaunlich besser funktioniert als es auf dem Album klingt. Aber die eigentlichen Highlights liegen im Bereich der Backcatalaogue-Titel. Black Celebration. Ohh, Danke! Shake The Disease? Sagte ich schon Danke? But Not Like Tonight? Gebete von unzähligen Touren zuvor wurden endlich erhört – und wie.

Wie das Amen in der Kirche gilt auf DM-Konzerten aber, dass Enjoy The Silence, Personal Jesus, Never Let Me Down Again oder Just Can’t Get Enough nicht fehlen dürfen. Die Massen genießen es, wenn sie mitmachen können. Wobei sich der Eindruck verfestigt, dass gerade die extremen Depechies auf den typischen Liederkanon gerne verzichten würden zugunsten anderer Titel. Me too. Wohl gemerkt: Es geht mir nicht um ein nostalgisch verbrämtes „Menno, ich will aber den alten Kram hören!!“ Mich würde einfach sehr interessieren, wie Get The Balance Right, My Secret Garden oder gar Tora!Tora!Tora! mit echtem Schlagzeug und in neuem Arrangement klingen. Halo zum Beispiel wurde auf dieser Tour interessant interpretiert.

War es nun ein gutes DM-Konzert? Sicher rangiert der Auftritt gestern nicht in meinen DM-Top 5. Aber es ist eben auch schwer, Dave Gahan, auf Händen durch die Festhalle Frankfurt getragen zu toppen oder die Waldbühne, wenn es dämmert und noch im letzten Rang alles abfeiert.

Sagen wir es so: Ich habe es nicht bereut.

P.S.: Mir war es zu leise. Bin vielleicht doch noch jünger als ich dachte.

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