I Ain’t Gonna Play Sotschi City

Freitag eröffnen die beiden lupenreinen Demokraten Bach (IOC) und Putin (KGB) die lupenrein demokratischen Winterspiele in Sotschi. Ban Ki Moon von der lupenreinen UNO schaut dieser Tage gleich mal bei der IOC-Vollversammlung in Sotschi vorbei und adelt damit sowohl die Institution IOC als auch die Winterspiele in Russland. Vielleicht kann er danach gleich noch zur FIFA in die Schweiz jetten und auf dem Weg dahin mit Franz Beckenbauer einen kleinen Abstecher nach Katar machen, um sich auch dort vor Ort davon zu überzeugen, dass das alles Schmarrn ist mit den Menschenrechtsverletzungen. Wobei: Der Kaiser kann nicht. Er freut sich schon närrisch auf die Winterspiele. Wahrscheinlich ist er gespannt, ob der Gigantismus des IOC mit dem der FIFA mithalten kann.

Zur Zeit des kalten Krieges hatten westliche Staaten keine Probleme damit, Spiele zu boykottieren, um zum Beispiel damit gegen den Einmarsch der Sowjets in Afghanistan zu protestieren. Aber da hocken wir inzwischen selbst rum, ohne noch recht zu wissen, warum  noch mal gleich. Und der sowjetische Nachfolgestaat wird ja inzwischen auch von einem lupenreinen Demokraten mit den besten Absichten geführt, bei dem es wurst ist, wo er gerade einmarschieren lässt, umliegende Staaten erpresst, Krieg gegen die eigenen Bürger führt oder Minderheiten als Sündenbock im Girardschen Sinne missbraucht.

Wir sitzen bei ARD und ZDF ab Freitag wieder in der ersten Reihe, wenn deutsche Rodler zur besten Sendezeit Eiskanäle runterjodeln, die unter aberwitzigen Umständen in die Landschaft gestemmt wurden oder irgendeine lupenrein dopingfreie Biathletin namens Kathi oder Resi auf künstlich gespurten weißen Streifen bei angenehmen Temperaturen durch die Gegend jachtert. Weit weniger prominent und ausufernd, erst recht nicht zur besten Sendezeit, kommen die Öffentlich-Rechtlichen ihrer Chronistenpflicht nach, wenn es um die Hintergründe der Spiele in Sotschi und die vielen bitteren Geschichten drumherum geht. Darauf hat unter anderem Jan Freitag jüngst in der Zeit Online hingewiesen und mehrmals, fast schon verzweifelt, auf Steffi Wursters Langzeitstudie Brot und Spiele sowie auf Putins Spiele von Udo Lielischkies hingewiesen. Zu bewundern im deutschen TV zur besten Sendezeit um 23:00 Uhr oder bei Arte. Sicher, es geht noch nischenfernsehiger, mit Phoenix zum Beispiel.

Der IOC hat die Senderechte an den Winterspielen in Sotschi gut vergoldet. Auch ARD und ZDF haben gezahlt. Sie rechnen mit guten Einschaltquoten. Wäre doch toll, wenn eine Menge Zuschauer das offizielle Sportlerbejubelprogramm boykottieren und stattdessen die Mediatheken stürmen, um sich Brot und Spiele oder Putins Spiele reinzuziehen… .

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