Archiv für Berlin

Christiane Rösinger …

Posted in High Rotation, Soundtrack of my life with tags , , on Oktober 19, 2010 by moz

haut auch ohne Lassie Singers und Britta immer mal wieder mehr als einen Kracher raus:

Wenn die Öko-Eltern sich zum Brunchen treffen
Und die Arschlochkinder durch die Cafés kläffen
Wenn der Service hinkt und nach Babykotze stinkt
Ja, dann sind wir wieder in Berlin.

Freu mich schon aufs Album ab dem 22.10.

Bis dahin Die Pärchenlüge der Lassie Singers.

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Vampire Weekend in Berlin

Posted in Backstage with tags , , on November 7, 2008 by moz

Die erste Hälfte war noch etwas verhalten, die zweiten 25 Minuten ging dann auch im Publikum etwas mehr die Post ab, nicht nur bei dem besoffenen McCain-Ami, der sich eine sinnlose kleine Privatfehde mit den Obamafreunden on Stage lieferte.

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Vampire Weekend im Kesselhaus

Der Sound gefiel mir nicht unbedingt. Das Kesselhaus scheint schwer abzumischen zu sein. Oder lag es daran, dass ich eh schon auf einem Ohr so gut wie taub war? I don’t know.

Die Band hat aber offensichtlich Spaß am Spielen und ist angenehm allürenfrei. Sehr smart, sehr sympathisch, der Sänger (Ezra Koenig, oder?) hat eine sehr saubere Stimme. Der Schlagzeuger ist eher der Hau den Lukas-Typ, wahnsinnige Abstufungen innerhalb der Lautsärke oder Akzente sind bei ihm nicht so zuhause, vielleicht hat er aber auch mit den Polyrhythmen zu viel zu tun. Insgesamt war es ein ganz gutes Konzert. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, wenn die Jungs mit mehr Songs im Gepäck eine hoffentlich akustisch bessere Location zum Dampfen bringen. Ein wenig gedampft hat es ja schon, auf der Bühne und im Publikum.

Merci, Pierre Baigorry!

Posted in High Rotation with tags , , , , on Oktober 25, 2008 by moz

Mein nicht minder musikbegeisterter Kollege Tingeltangel-Bob hat mir Freitag über einen ungemein zääääähen Arbeitstag geholfen: Er schob mal so eben das Album von Peter Fox rüber.

Nach den ersten zwei Singles Alles neu und Haus am See war mir ja schon glasklar, dass mich eine ganz wunderbarfeine Melange aus guter Musike und noch besseren Texten erwarten würde. Aber ich möchte mich hier noch einmal ganz ganz tief vor Stadtaffe verbeugen, das Jan Delay hoffentlich zu einer richtig guten eigenen Platte herausfordert.

So lange gehört die Krone für Coolness und Stil sicher mal dem Stadtaffen aus Berlin.

Bis auf zwei etwas schwächere Dinger glänzt, wummert und bratzt eigentlich alles auf Stadtaffe. Auffällig ist, dass sich bestimmte Themen und Bilder munter durch das ganze Album ziehen, ohne dass es dabei einfallslos wirkt (bin gespannt, ob er auf dem nächsten Album seinen Themenkanon jenseits von Berlin zu allen Tages- und Jahreszeiten noch auszuweiten weiß). Klar, Berlin und er, der Stadtaffe, in der Affenstadt, das ist das Ding des Albums, siehe Schwarz zu Blau. Aber es sind schon Ansätze für Neues drin, wie das wunderbare Ich Steine, Du Steine beweist.

Fazit: Besser als Seeed – weil mehr als Dancehall.

Merci, Pierre Baigorry!

Labour for the masses

Posted in Backstage with tags , , , on August 30, 2008 by moz

Als Madonna permanent gewinnbringend das Subjekt/Objekt/Subjekt Madonna neu erfinden zu müssen, ist sicher hard labour. Die Frau ist zwar ursprünglich Katholikin, aber die Calvinisten haben sicher ihre Freude am Arbeitsethos der US-Amerikanerin. Madonna hat sich verpflichtet, die nächsten Jahre mittels der einen oder anderen Welttournee den Rubel rollen zu lassen. Als ich am Donnerstag im Berliner Konzert der Sticky&Sweet-Tour saß, tat mir die Dame kurz ein kleines wenig leid: Hätte sie den Deal doch schon Mitte der 90iger unterzeichnet. Dann wäre sie mit der Hamsterradnummer Massenbefriedigung jetzt schon durch. Jetzt heißt es Durchhalten und immer genug Aufmerksamkeit mit dem jeweiligen aktuellen Album, Hit oder wenigstens Skandal zu erzeugen, auf dass die Massen strömen.

Dickes M über Berlin

Dickes M über Berlin

Hard labour wie gesagt. Da macht der durchgestählte Körper schon Sinn. Ist zwar der einer Frau, aber Ernst Jünger hätte an dieser konsequenten Selbstmaschinisierung sicher seine Freude gehabt. Wobei sie als Arbeiterin allerdings stärker dem Kult ihres eigenen Individuums frönt als von Jünger eventuell vorgesehen. Sie als Königin unter den Arbeitsdrohnen tanzt, kriecht und wirbelt sich durch ein ganz genau durchgetimtes Showprogramm. Eine Inszenierung, kein Konzert. Ab und an mit einer gehörigen Portion Ironie. Mit Anspielung eben darauf, dass sie zuletzt ja eigentlich hauptsächlich als durchtrainierter, gut geölter Hochleistungsbody wahrgenommen wird, präsentiert sie sich bei einer Showeinlage dann auch prompt als Körper der am Boden liegt und von Männern gewaltsam in Position gezerrt wird, dann langsam, wie eine zuckende Maschine, kommt Madonna wieder zum Laufen, legt noch eine Schippe drauf. Maschine? Na, und? Cooler als Du auf der Tribüne bin ich bis zum finalen Kurzschluss allemal. Hut ab.

Und sonst? Die Inszenierung in mehreren Akten wusste überwiegend zu unterhalten. Madonna dekonstruiert und rekonstruiert nicht nur ihren Körper, sondern auch erfrischend hemmungslos sämtliches Songmaterial. Das bringt einen in den Genuss von ganz eigenen Interpretationen alter Gassenhauer wie Borderline oder Into the Groove, macht aber auch vor jüngeren Werken wie Hung up nicht halt.

Schön auch die Reise durch 25 Jahre Subjekt/Objekt/Subjekt Madonna im Showgeschäft. Während im Hintergrund auf Großbildleinwänden in wilden Schnitten die 80 Gesichter und Körper der Madonna Revue passieren, postuliert Madonna im Vordergrund auf der Bühne trotzig She’s not me und reißt einigen ihrer vergangenen Manifestationen der letzten Jahre gleich mal die Insignien vom Leib. Alles nicht die echte Madonna.

Dennoch: The Show must go on. Aber eine Pop-Queen dieses Kalibers möchte nicht nur unterhalten, sondern auch ein kleines wenig die Welt bewegen. Die angeblich so skandalöse Videoinstallation, in der McCain auf der Seite der Bösen mit dem einen oder anderen Diktator vermengt wird und auf der „guten Seite“ neben Obama noch Bono, Michael Moore und Bob Geldof als positive Antagonisten stehen, macht doch eher Lachen. Das meint sie nicht ernst, oder? Und like a prayer war mir als aufmüpfiger Widerstand gegen die allzustrenge religiöse Herkunft auch noch lieber als jetzt als allgemeinversöhnlicher, kabbalistisch angehauchter Gotteshymnus. Klopstock im 21. Jahrhundert, oder was?

Was auch auffällt: Früher erkannte Madonna Trends vor allen anderen, heute lebt sie davon, auf den schon überfetten Trend in Form von Timbaland, Pharell und Justin Timberlake aufzuspringen. Das ist auch deutlich in jenem Akt der Inszenierung zu erkennen, in dem sie alte Hispanic Hits (dieses Community nahm sie als us-amerikanischer Künstler sehr früh ernst) auf Balkan-Pop zu tunen versuchte – wie zum Beispiel La Isla Bonita. Das war sehr brav und klischeebeladen. DJ Shantel macht ihr das feister und dreckiger. Die ganze Migrationsnummer in diesem Teil war arge Folklore, Honey. Ganz kurz klang es mal so, als würde es aus dem Hispanic-Zinagari-Mix direkt in Country übergehen. Aber da hatte ich mich nur getäuscht. Schade eigentlich.

Was bleibt: Es ist für sie harte, aber für uns als Zuschauer durchaus unterhaltsame Arbeit, Madonna dabei zuzusehen, wie sie den Pop-Olymp eisern für sich postuliert. Madonna hält sich auch deswegen noch auf dem Thron, weil gegenwärtig keine der jungen Hofdamen einen derartigen dauerhaften Biss, eine derartigen Geschäftssinn, einen derartigen bisherigen Riecher für alle Trends und vor allem einen derartigen Intellekt mitbringt. Weder Gwen, noch Christina, noch Britney, noch Pink. Aber für Madonna wird es anstrengend sein, immer noch eine Schippe an Neuem, Anderem oder schlicht Skandalösem draufzulegen. Könnte sie besser singen und ginge es wirklich um die Substanz ihrer Musik, könnte sie zur Abwechslung mal eine kleine, feine reduzierte Clubtour einstreuen. So aber heißt es für Madonna in den nächsten Jahren: „Die Arbeit, die in Bezug auf den Menschen als Lebensart, in Bezug auf seine Wirksamkeit als Prinzip angesprochen werden kann, erscheint in Bezug auf die Formen als Stil.“

Wer noch weitere Meinungen zum Konzert lesen möchte: Michael Pilz meint die Zukunft des Popkonzerts gesehen zu haben, Dirk Peitz sieht eher das Ende des Stadion-Entertainments gekommen. Feiner Bericht, der seine, der auch den Rausschmeißer „God save the Queen“ der Sex Pistols nicht unerwähnt lässt.

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