Archiv für Superpunk Festsaal Kreuzberg

„Zeit Erwachsen Zu Werden.“ – „Niemals!“ – Superpunk Sagen Tschüss, Berlin!

Posted in Soundtrack of my life with tags on Juni 3, 2012 by moz

Abschied ist ein scharfes Schwert, hat glaube ich Roger Whittaker einstmals gesungen, wenn ich meinem Schrottspeicher Glauben schenken darf.

Der Festsaal Kreuzberg schwitzte und tanzte ein letztes mal zu Ehren der Top Old Boys. Und ja, sie spielten so ziemlich alle Hits, die sich im Verlauf der letzten 16 Jahre angesammelt haben. Zu Superpunk zu gehen war, wie sich mit ein paar guten Freunden, die mal wieder in der eigenen Stadt vorbeischauten, zum Abhotten zu treffen. Bei Superpunk war es fast so schön, wie im Auswärtsblock. Ich werde es vermissen, Ich bin kein Ignorant und ich bin kein Idiot zu brüllen.

Ein Teil des Liebenswerten von Superpunk war, dass man sich gut und gerne vorstellen konnte, mit den Jungs ein Bier trinken zu gehen, ohne sich prätentiöse Musikerkacke anhören zu müssen oder sich zu Tode zu langweilen bei Tourgeschichten. Sie wirkten immer so, als ob sie das alles nicht so bitterernst nehmen würden – eben ein Schwung grundsympathischer Typen, die Spaß an ihrer Musik haben und diesen Spaß mit ihrem Publikum gerne teilen. Wie sagt Carsten Friedrich so schön in seinem Interview mit dem Deutschlandradio:

Ich hab auch jedes Mal gedacht, wenn ich einen schweren Bassverstärker in einen Club geschleppt hab und mir der Rücken davon wehtat: Irgendwie freue ich mich auch, dass das ein Privileg ist, dass ich spielen darf, dass Leute kommen und sich für unsere Musik interessieren. Ob das nun 30, 100 oder tausend sind – so weite denke ich nicht. Ich freue mich, dass ich das so machen konnte. Dem einen sind 5.000 Leute nicht genug, dem anderen sind 50.000 Leute nicht genug. Mir sind 50 genug, ich bin damit gut gefahren.

izillR hat einige sehr schöne Aufnahmen auf dem Konzert gemacht, hier nur ein Beispiel, an dem ich nicht die Rechte besitze und das ich selbstredend sofort entferne, sofern izillR die Werbung für seine guten Bilder nicht goutiert.

Superpunk, 2012

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A Bisserl Was Ging Immer: SUPERPUNK Sagen Tschüss!

Posted in Soundtrack of my life with tags on Mai 28, 2012 by moz

Als Mehmet Scholl 2007 seine Karriere beendete, wurde mir kurz übel. Scholli war doch immer da in meinem Bundesligakosmos, naja, wenn er nicht gerade verletzt war jedenfalls. Scholli war ungefähr so alt wie ich. Scholli war zu alt, um mit seinen geschundenen Knochen weiter Profifußball zu spielen. Wenn Scholli für bestimmte Dinge zu alt wurde, dann doch auch ich? Das nagte an mir mehr als das erste graue Haar oder diese feinen Falten, die sich langsam aber sicher um die Augen verteilten.

Vor wenigen Tagen wurde mir dann glatt noch ein wenig übler. Die schlechte Botschaft erwischte mich in der Küche einer alten Schulfreundin. Wahrscheinlich war ich vom Gerede über das bevorstehenden Treffen zum 20jährigen Abitur schon auf einem inneren Downward Spiral, als das Messer mir unversehens den Bauch von unten nach oben aufschlitzte: „Kommst Du mit zum Konzert von SUPERPUNK? Die sind auf ihrer Abschiedstournee.“ Auf WAS? Abschiedstournee? Was soll denn der Scheiß? Es gibt Naturgesetze: Die Elbe hört nicht auf zu fließen und der HSV tritt Saison um Saison mehr schlecht als recht gegen den Ball. Und SUPERPUNK macht regelmäßig eine neue Platte, die man zuhause eigentlich gar nicht hören will, weil SUPERPUNK eine typische Liveband ist, die ab und an vom Knust einen Abstecher in den Festsaal Kreuzberg macht und mit treuen Seelen „Matula, hau mich raus“ um die Wette brüllt.

Ich musste mich setzen. Da war er wieder, der Scholleffekt. Die Band meiner frühen 20iger macht sich vom Acker und aufs Altenteil. Das Grab ist nah, das Feuerwerk ist vorbei. Hilft ja nix, denn man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen: Am Freitag heißt es für Berlin, den Hamburger Helden einen stilechten Abgang aus dem Festsaal Kreuzberg zu verschaffen, vielleicht auch mit Baby, ich bin zu alt im Programm. Lustiger, kathartischer und sinnvoller als den Festivitäten zum 20. des Abiturs beizuwohnen, ist das allemal. Da schaue ich dann zum 50. wieder vorbei. Getreu dem Motto: Ja, ich bereue alles.

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